90% der Kaninchenkrankheiten sind selbst durch Fütterungsfehler verursacht!

Deshalb an dieser Stelle einige Tipps und Ratschläge zur gesunden Ernährung Ihrer Steh- und Schlappohren, da die Gesundheit durch die richtige Fütterung maßgeblich gefördert werden kann und so fast 90% insbesondere der chronischen Kaninchenkrankheiten vermieden werden können.

Unsere domestizierten Hauskaninchen unterscheiden sich in Bezug auf die ernährungsphysiologischen Grundbedürfnisse nicht von Ihren Verwandten den Wildkaninchen. Kaninchen besitzen einen Stopfmagen der für eine funktionierende Verdauung permanent gefüllt sein muss. Deshalb müssen Kaninchen ständig Nahrung aufnehmen.

Neben den normalen Kotkügelchen scheiden Kaninchen zusätzlich Blinddarmkot aus, der aber direkt vom After aufgenommen wird und lebenswichtige Vitamine enthält.

So nehmen Wildkaninchen täglich bis zu 80 Mahlzeiten täglich zu sich, fressen in erster Linie Wildkräuter und Süßgräser, sowie Blätter, Blüten, Wurzeln und Rinde verschiedener Bäume. Nur in der jeweiligen Reifezeit und vor den harten Wintermonaten frisst ein Wildkaninchen Gemüse, Obst oder Getreide um sich für die kalten Monate eine überlebensnotwendige Fettschicht anzufressen, da sie im Ernstfall oft Tage oder sogar Wochen ohne Nahrung auskommen müssen.

Unsere Zwerge haben die gleichen Ernährungansprüche, da diese jedoch das ganze Jahr über regelmäßig und gut versorgt werden gibt es einige wichtige Grundregeln zu beachten! Grundnahrungsmittel bei Kaninchen ist daher gutes Heu, eine getreidefreie, strukturreiche Wiesengraskräutermischung mit verschiedensten Blüten, Kräutern und Blättern vermischt.

Heu

Da sich der Rhythmus der Mahlzeiten unserer Zwerge nicht nach unseren Tagensabläufen richtet muss Heu ständig zur Verfügung stehen. Heu sorgt zudem durch seinen hohen Rohfasergehalt für eine gute Verdauung und fördert optimal den Zahnabrieb auch der hinteren Backenzähne. Gutes Heu ist deshalb langfaserig mit groben Strukturen und enthält viele verschiedene Wiesenräuter einer natürlich gewachsenen Wiese. Wenn ein Kaninchen kein Heu frist und kein orales Problem vorliegt, liegt es immer an der Heusorte. Heu welches nicht gefressen wir ist schlicht nicht gut genug für unsere Zwerge.

Günstiges handelsübliches Heu gibt es häufig gepresst oder in Ballenform unterschiedlicher Größe von 1 – 20kg. Jedoch handelt es sich hier durch die Verarbeitungs und Lagerungsweise häufig im minderwertiges Heu. Oft ist es im Kern schon feucht oder gar schimmelig geworden. Wir führen daher nur lose verpacktes Heu teils mit Zusatz von getrockneten Blüten, Kräutern und das allerbeste Timothy Heu welches und sehr aromatisch und frei von Restfeuchte, Schimmelsporen und Parasiten ist.

Um genügend Abwechslung zu bieten können Sie auch selbst Heu mit den verschiedensten getrockneten Blüten, Blättern oder Kräutern aufwerten. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Gutes Heu hat seinen Preis welcher sich durch die schonende Herstellung und Lagerung ergibt.

Strukturfutter

Ein gutes Strukturfutter am Morgen und Abend ist unabdingbar und besteht aus zahlreichen Wiesengraskräutern oder entblätterter Luzerne vermischt mit schmackhaften, aromatischen und gesundheitsfördernden Blüten, Kräutern, Blättern, Gemüse und Wurzeln.

Wasser

Kaninchen brauchen täglich frisches Wasser. Es ist ausreichend normales Leitungswasser anzubieten denn die Wasserqualität ist Deutschlandweit sehr gut. Im Sommer sollte es nach Möglichkeit mehrmals täglich gewechselt werden angeboten werden da durch die steigenden Temperaturen das Durstgefühl erhöht ist. Das Wasser sollte aus hygienischen Gründen im Stall oder Käfiginneren niemals in einem Napf angeboten werden. Nippeltränken werden von verschiedensten selbsternannten Schutzorganisationen immer wieder abgelehnt - wegen der angeblich aufwendigen Reinigung und er unnatürlichen Kopf- und Körperhaltung der Kaninchen die diese während des Trinkvorganges einnehmen würden. Dazu ist nur kurz zu sagen, dass wir schon eine Menge Kaninchen in den Notaufnahmen der Tierkliniken sehen mussten, da sie wegen akuter Infektionen des Magen-Darmtraktes verursacht durch Bakterienbildung in Trinknäpfen dem Tod näher waren als dem Leben und noch nie ein Kaninchen beim Physiotherapeuten wegen einer verhärteten Nackenmuskulatur.

Frischfutter

Viele Halter verstehen unter Frischfutter die Gabe von Obst und Gemüse da unser Kühlschrank oft reichlich damit gefüllt ist, oder bei der Außenhaltung schlicht Wiese und Löwenzahn. Natürliches Frischfutter - die Kräuterwiese ist aufgrund der unzähligen Sorten der abwechslungsreichste Bestandteil in der Kaninchenernährung. Es liefert Energie, Wasser, Vitamine, Nährstoffe und in geringen Maße auch Rohfaser. In erster Linie benötigen unsere Hasennasen also verschiedenste Gräser und Wiesenkräuter, Zweige, Blätter, Blüten, Kräuter und nicht Gemüse und Obst aus dem Supermarkt. Dieses kann in klienen Mengen ein guter Ersatz für die Winterzeit sein, aber niemals ganzjährig als Hauptfutter. Die meisten haben vergessen, dass heutiges Zuchtobst und -gemüse viel mehr Eiweiß, Zucker und Kalorien enthalten als die Urformen, also Wildobst und Gemüse.

Es gibt einige Kaninchen, die das angebotene Frischfutter nicht einteilen und bei denen zu große Futtermengen zu Magenüberladungen führen. Bei anderen bleibt ein Teil übrig, wird welk und kann zu Aufgasungen führen. Bei der Menge des Frischfutters kommt es vor allem auf deren Körpergröße an und natürlich auf die Vorlieben Ihres Zwerges. Kaninchen vertragen gut ca 150g Frischfutter je KG/Körpergewicht. Klären Sie im Rahmen unserer Ernährungsberatung die angemessenen Gewichte ihrer Zwerge und ermitteln Sie dann die entsprechende Frischfuttermenge.

Ihr Kaninchen liebt die Abwechslung auf dem Speiseplan! Viel Wiesenkräuter, Laubgehölze, eine Handvoll Kräuter und nur selten ein wenig Obst und Gemüse sind ein gute Faustformel für eine ausgewogene Frischfuttergabe. Am leckersten und gesündesten ist ein Korb voll mit Kostbarkeiten von frisch gepflückten Blättern, Gräsern und Wildkräutern einer geschützten natürlichen Wiese, sowie Laubgehölzen. Dieser Gaumenschmaus für ihre Zwerge kann Kaninchen täglich gegeben werden. Lediglich bei Kaninchen mit Veranlagung zu Blasengries/-steinen, oder Nierenerkrankungen ist mit Kräutern Vorsicht geboten. Sammeln sie nicht an gedüngten und befahrenen Straßen oder auf Hundewiesen.

Obst ist wegen seines hohen Fruchtzuckers ein Dickmacher und oft ein Auslöser für Hefenbefall im Darm. Daher sollte Obst wie ein Leckerchen nur sehr sparsam gefüttert werden. Lediglich an heißen Sommertagen darf es auch mal etwas Salat, Gurke und auch mal Melone sein da diese einen leckeren Durstlöscher darstellen. Wir geben unseren Kaninchen das Frischfutter nie aus dem Kühlschrank, weil das Futter der Wildkaninchen natürlicher Weise auch immer die Umgebungstemperatur aufweist.

Wild- und Heilkräuter



Ackerdistel, Bärlauch, Basilikum, Beifuss, Bohnenkraut, Borretsch, Breitwegerich, Brennessel, Brunnenkresse, Dill, Distel, Estragon, Echinacea, Frauenmantel, Gänseblümchen, Grüner Hafer, Hagebutte, Hirtentäschelkraut, Huflattich, Johanniskraut, Kamille, Kerbel, Koriander, Kornblume, Kümmel, Lavendel, Liebstöckel, Löwenzahn , Lorbeer, Luzerne, Malve, Majoran, Melisse, Minze, Oregano, Petersilie, Pimpernelle, Ringelblume, Rosenblüten, Rosmarin, Salbei , Sauerampfer, Sonnenhut, Schafgarbe, Schnittlauch, Sonnenblume, Spitzwegerich, Taubnessel, Thymian, Topinambur, Vogelmiere, Wegwarte, Weißdorn, Weißklee, Wermut, Zaunwicke

Wildkräuter finden sich in unbehandelten Wiesen, Heilkräuter werden auch als Küchenkräuter angeboten

Blätter und Zweige



Apfel, Birne, Pfirsich, Pflaume, Weidenblätter, Buche, Birke, Ahorn, Haselnuss, Walnuss, auch Kiefer, Johannis- und Stachelbeere, Him- und Brombeere, Weißdorn und Weinblätter.

Also alle heimischen Obst-, Laub und Nadelgehölze die Du auch an Wiesen und in Wäldern finden kannst.

Gemüse für die Wintermonate wenn Kräuterwiese nicht zur Verfügung steht



Broccoli, Chiccoree, Chinakohl, Fenchel - Kraut und Knolle, Friseesalat, Gurke, Karotte mit Grün, Knollensellerie - Kraut und Knolle, Kohlrabi - nur Knolle!, Maiskolben, Paprika, Pastinake, Petersielenwurzel, Pilze, Radicci, Radieschenblätter, Rote Bete, Ruccola, Schwarzwurzel, Spargel - grün und weiß, Staudensellerie, Steckrübe, Topinambur, Zucchini

aber aufgepasst! Diese Gemüsesorten sind allesamt für uns Menschen gezüchtet, deshalb ist weniger hier mehr!

Obst ist ein Leckerchen!



Ananas, Apfel, Aprikose, Banane, Birne, Brombeere, Cherimoya, Clementine, Erdbeere, Feige, Heidelbeere, Himbeere, Honigmelone, Johannisbeere, Kakifrucht, Karambola, Kirsche, Kiwi, Kürbis, Litschi, Loquat, Mandarina, Mango, Mangostane, Mirabelle, Nashibirne, Nektarine, Orange, Papaya, Pfirsisch, Pflaume, Preiselbeere, Wassermelone, Weintraube

Leckerchen heißt nur sparsam wie "Pralinen" füttern.